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Über den Roman von Edith Kneifl "Schön tot"
  Mordalarm in Wien-Margareten: Ein offenbar auf hübsche, dunkelhaarige Frauen spezialisierter Serienmörder scheint sein Unwesen zu treiben, und Edith Kneifl schickt Katharina Kafka, eine junge Romni, in Begleitung des skurrilen Transvestiten Orlando auf Ermittlungsreise.

Edith Kneifl: Schön tot - Ein Margaretenkrimi
ISBN 978-3-85218-610-8 - 176 Seiten
 

Zur Homepage von Edith Kneifl - www.kneifl.at

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Die Presse 51. Woche 2009

In ihrem neuen Roman schickt Autorin Edith Kneifl einen Frauenmörder durch den fünften Bezirk.
Privat mag sie am Fünften die Lokale und die »schrägen Typen«. Ein Cityguide.

Mörderisches Margareten

Eine brutal ermordete Frau im Bacherpark, eine Leiche im Kinosaal des „Filmcasino“ ein Überfall auf einen Transvestiten auf den „Schlossquadrat“-Toiletten.Und so weiter. Ganz schön viele, ganz schön grausame Verbrechen, die die Autorin und Psychoanalytikerin Edith Kneifl da in Margareten passieren lässt - in ihrem jüngsten Wien-Krimi „Schön tot“.„Eigentlich“, sagt Kneifl bei einer koffeinfreien Melange und einer Zigarette im Cafe „Cuadroli“ am Margaretenplatz, ist Wien aus Sicht einer Krimiautorin eine zu sichere Stadt. Über eine brutale Mordserie kann man hier nur mit Augenzwinkern schreiben.“ Auch das „Cuadro“ ist ein Schauplatz im Roman: Hier kellnert die Protagonistin, die Romni Katharina. Als sie beginnt die Morde in ihrem Grätzel mitzuverfolgen, gerät sie selbst in Gefahr. Hier im Cuadro, erzählt Kneifl, wurde auch die Idee für „Schön tot“ geboren. Nach einer Lesung saß

sie mit Gastronom Stefan Gergely ( dem die Schloss-quadrat-Lokale von „Cuadroli bis„Silberwirt“ gehören) zusammen. Irgendwann kam der Vorschlag auf, einen eigenen Margaretenkrimi zu schreiben. Der Gedanke gefiel Kneifl, die selbst in Mariahilf lebt und oft ins Grätzel rundum den Margaretenplatz kommt. Wegen der „tollen Nahversorger, der vielen guten Lokale“. Aber auch, weil der fünfte „ein bunter, lebendiger Bezirk ist, der sich erneuert und viele Kreative angezogen hat“. Aber auch viele Migranten, wovon - vor allem in Richtung Gürtel -die türkischen Läden zeugen. „Das alles“, sagt Kneifl, „macht für mich eine Großstadt aus“. Und trotzdem habe sich der fünfte Bezirk „diesen Dorfcharakter“ bewahrt. Diese Mischung „gibt‘s selten“. Die „vielen schrägen Typen“, die es hier auch gebe, haben sie etwa zur Figur des Transvestiten Orlando inspiriert, neben Kellnerin Katharina einer der wenigen fiktiven Charaktere ihres Romans. Die meisten anderen Figurenim Buch sind, in einer ungewöhnlichgroßen Portion Lokalkolorit, realen Personen nachempfunden: So kommen etwa - alle vorab informiert und laut Kneifl „begeistert“ - die Gastronomen Gergely und Hemd Schlacher samt ihrer Lokale häufig im Roman vor, ebenso Bezirksvorsteher Kurt Wimmer.

„Kaufhaus für alles“. Oder auch Gertrude Klaric, die am anderen Ende am Margaretenplatz den Laden „Midinette“ betreibt, der im Roman (wie vermutlich im echten Leben) eine Art Tratschtreffpunkt der Bewohner ist. Klaric hat hier auf wenigen Quadratmetern eine unvorstellbare Warenmischung versammelt: Alte Bücher (Rosamunde Pilcher!), Unterwäsche (Zielgruppe: ältere Damen), Gläser, Stofftiere, Knöpfe, Reinigungsmittel. Früher, erzählt Klaric, nachdem sie Kneifl begrüsst hat, hieß das Geschäft an dieser Adresse „Kaufhausfür allesl“. Ein bisschen, so scheint es, ist es das immer noch.

Die Autorin spaziert weiter, die Margaretenstraße entlang zum „HaasBeisl“, einem typischen Wiener Wirtshaus mit deftiger Karte von „Fiakergulasch“ bis „Hirn mit Ei“. Es ist kurz vor 12 Uhr, einige ältere Männer warten bei einem Bier auf das Mittagsmenü. Und tratschen. Wie im Roman, in dem sich Katharina hier die neusten Gerüchte über die Verbrechen erzählen lässt. „Es war schon wieder jemand da, der den Roman gelesen hat und sich hier umschauen wollte“, sagt Inhaber Georg Haas, als er Kneifl sieht. Die Begeisterung ist ihm unschwer anzusehen. Am Weg zurück kommt Kneifl am Filmcasino vorbei, „einem der schönstenKinos überhaupt ohne 08/15-Hollywoodprogramm“. Kneifls Vorliebe für Margareten, deren Bewohner und Unternehmen hat sie, keine Frage, auch Seite um Seite in ihr Buch gepackt. Fehlt ihr, die auch in New York, San Francisco und Griechenland gelebt hat, etwas an Wien? „Noch mehr Zuwanderer, ein noch bunteres Stadtbild. „New York nennt man auch die Stadt, die niemals schläft. Und das, sagtKneifl, „kann man von Wien wirklich nicht behaupten“.

VON MIRJAM MARITS

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